Die halbfigurige Darstellung des Engels von der Hand eines sehr jungen Raphael stellt ein Fragment dar, das Teil eines größeren Altarbildes gewesen sein muss, das die Krönung des heiligen Nikolaus von Tolentino darstellt. Die Ereignisse, die das Werk nach Brescia brachten, sind äußerst komplex: Paolo Tosio, einem bekannten Sammler aus Brescia, gelang es, es mit dem Echtheitszertifikat der Florentiner Akademie in den Jahren 1822 - 1823 zu kaufen. Damals war das Gemälde bekannt als „Jungmannbildnis“ und wurde bereits Raffael zugeschrieben. Oskar Fischel, profunder Raffello-Kenner, identifizierte 1912 mit genialer Intuition im „Porträt eines jungen Mannes“ das Antlitz des ersten Engels auf der linken Seite des großen Altarbildes mit der Krönung von San Nicola da Tolentino, gemalt von der Künstler für die Kirche Sant'Agostino in Città di Castello. Das Gemälde wurde sofort restauriert und die Entfernung einer Schicht dunkelgrüner Farbe vom Hintergrund enthüllte das Vorhandensein des Flügels und anderer Elemente, die für die ursprüngliche Komposition relevant waren.